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Automatische Bahn: Angebliche Weltpremiere

Hamburg feiert sich auf dem IST-Kongress

PREVIEW online - Zum Auftakt des IST-Weltkongresses für Intelligente Verkehrssysteme und -Services (11.-15-10.) präsentierten DB und Siemens den ersten automatisch fahrenden Zug. Die Hansestadt, die erste S-Bahn-Züge einsetzt, fühlt sich als Vorreiterin für digitalen Bahnbetrieb. Dabei gibt es autonom fahrende Züge in Singapore schon seit mehr als 20 Jahren. Also Etikettenschwindel?

Nach Angaben von Siemens haben sie zusammen mit der Deutschen Bahn (DB) zum Auftakt des IST Weltkongress den weltweit ersten Zug gezeigt, der im Eisenbahnverkehr von allein fährt. Dr. Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der DB, und Dr. Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, präsentierten das Fahrzeug des Projekts Digitale S-Bahn Hamburg gemeinsam mit Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, auf einer Premierenfahrt.

Der Zug wird mittels digitaler Technik gesteuert und fährt automatisch. Die Lokführer:innen bleiben zur Überwachung der Fahrt mit Fahrgästen weiterhin an Bord. Das Rangieren – zum Beispiel die Zugwende – erfolgt ohne Personal. Die Projektpartnerinnen DB, Siemens Mobility und Stadt Hamburg haben insgesamt 60 Millionen Euro in den digitalen Ausbau einer S-Bahnstrecke vom Zentrum der Hansestadt in den östlichen Randstadtteil Bergedorf investiert. Dieser Ausbau ist Teil des DB-Programms Digitale Schiene Deutschland. „Wir erleben einen echten Zeitenwandel: Die Eisenbahn ist in der digitalen Zukunft angekommen und die Digitale Schiene Deutschland Realität geworden“, erläuterte Dr. Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der DB voller Stolz.

Mehr Fahrgäste, höhere Frequenzen, kürzere Sicherheitsabstände

Da autonom fahrende Züge nur noch einen kürzeren Sicherheitsabstand einhalten müssen, können mit derselben Anzahl von Zügen im automatischen Bahnbetrieb deutlich mehr Fahrgäste in kürzeren Zeittakten transportiert werden. So will man die Bahn attraktiver für immer mehr Menschen machen und eine größere Pünktlichkeit erreichen. „Wir machen den Bahnverkehr intelligenter. Züge fahren automatisiert den perfekten Fahrplan, auf die Sekunde genau und energieoptimiert“, sagt Dr. Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. „Damit unterstützen wir unseren Partner Deutsche Bahn bei seinem Ziel, das Zugfahren attraktiver zu machen und das Klima zu schonen. Denn mit unserer Technologie können unsere Kunden bis zu 30 Prozent mehr Fahrgäste transportieren, die Pünktlichkeit deutlich verbessern und mehr als 30 Prozent Energie sparen. Die digitale S-Bahn Hamburg ist eine Weltneuheit. Die neue Technologie ist bereits zugelassen und weil sie offene Schnittstellen hat, können sie alle Betreiber weltweit sofort für alle Zugtypen nutzen.“

Pünktlichkeit auf die Sekunde – bei der DB??

Technische Basis für den digitalen Bahnbetrieb ist der künftige europäische Standard ATO (Automatic Train Operation) kombiniert mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System). Die Züge erhalten die Steuerungssignale per Funk. – Was bei Funkstörungen passiert, wurde allerdings nicht verraten.

Ab Dezember fahren vier digitale S-Bahnen in Hamburg im fahrplanmäßigen Einsatz. Die Planungen zur Ausstattung der S-Bahn Hamburg bis Ende des Jahrzehnts laufen bereits, Investitionen in Züge und Infrastruktur sind gestartet. Perspektivisch soll die Technologie auch bundesweit im Regional- und Fernverkehr genutzt werden.

Weltpremiere, die 20 Jahre alt ist ...

Doch was Siemens, DB und die Hansestadt Hamburg vollmundig als Weltpremiere „verkauften“ und viele Medien auch unrecherchiert einfach abschrieben, ist auf der anderen Seite der Erdkugel längst seit vielen Jahren Alltag. Denn die Maas Rapid Transit Singapore (MRTS) fährt mit ihren Zügen bereits seit rund 20 Jahren unter- und überirdisch autonom und fahrerlos. Der asiatische Stadtstaat unterhält mittlerweile das längste vollautomatische und fahrerlose Verkehrsnetzwerk der Welt. Mehr noch.

Längstes fahrerloses Netzwerk der Welt

Seit Anbeginn verfügt das U-Bahnnetz nicht nur über einen „idiotensicheren“ Netzplan, den jeder auch ohne Sprachkenntnisse sofort versteht. – Im Vergleich schaue man sich dazu mal die Schlangen ratloser Touristen vor den Netzplänen der U- und S-Bahnen an Flughäfen wie München oder Hamburg an: Alles nur in deutsch, Tarifzone 1,2 oder 3?, Familien- oder Gruppentarif ...?

Schwarzfahren? Unmöglich

In Singapore errechnet der Automat automatisch den günstigsten Tarif, wenn man das Fahrziel – ein Buchstabe und eine Zahl – eingibt. Schwarzfahrten sind hier ebenso unmöglich, wie Unfälle am Bahnsteig. Denn Bahnsteig und Gleise sind durch Scheiben getrennt. Die automatischen Züge halten und die Türen öffnen sich punktgenau an aufgezeichneten Linien, an denen die Einsteigewilligen brav warten, bis alle ausgestiegen sind. Drängeln und schuppsen Fehlanzeige.

Wie weit das autonome Fahren bereits fortgeschritten ist, können Politiker, Stadt- und Gemeinderäte in Singapore live erleben. Hier fahren nicht nur autonome Privatfahrzeuge, sondern auch bereits fahrerlose Taxen. Die Autoschilder von Fahrzeugen, die während verbotener Zeiten in die City fahren, werden gescannt, KI ermittelt aus Datenbanken automatisch Fahrzeughalter und Anschrift. Der Strafzettel ist einen Tag später im Briefkasten des Besitzers. Ganz ohne Polizisten oder andere Ordnungswächter. Ganz ohne lästiges Ausfüllen von Formularen u.a. teuren und zeitintensiven Verwaltungsakten. – Wie gesagt: Seit rund 20 Jahren! Und hierzulande haben wir erst in der Pandemie festgestellt, dass unsere Gesundheitsämter zwar nicht mehr trommeln, aber digital nicht miteinander kommunizieren können. Durch solche Erfahrungen beginnt man zu verstehen, warum Deutschland in puncto Digitalisierung in Europa den vorletzten Platz – vor Albanien – einnimmt ...

Aber die Headline „Weltpremiere“ ...

... auf der Titelseite des Hamburger Abendblatts manifestiert nicht nur in dicken, fetten Lettern einen peinlichen Recherchefehler. Sie ist auch Ausdruck – im wahrsten Wortsinn – des hanseatischen Selbstverständnisses: Wir sind die Größten, der Nabel der Welt ... Ein Blick über den hanseatischen Tellerrand – es muss ja nicht gleich Singapore sein – würde jedoch den Blick auf die Realität schärfen. Keine andere deutsche Großstadt klammert sich noch immer so starr an das mittelalterliche Silodenken wie Hamburg.

Die Senatorin, die verantwortlich für Forschung & Entwicklung ist und eigentlich die Weichen für Hamburgs technologisch geprägte Zukunft stellen sollte, hat als Anglistin und Politikwissenschaftlerin nicht einmal den Ansatz eines fachlichen Hintergrunds. Und - wie spätestens in der Pandemie gesehen und erlebt - verändern Digitalisierung und neue Technologien in Windeseile unsere Wirtschaft und Gesellschaft. Mit diesen exponentiellen Entwicklungen sind Politiker, Handwerker, Mittelständler und sogar Großbetriebe völlig überfordert. Während China und USA in Siebenmeilenstiefeln an uns vorbeieilen und unsere Schulen noch Lehrpläne aus dem vorherigen Jahrhundert durchpauken, werden die vielfältigen Chancen und Potenziale neuer Technologien hierzulande überhaupt nicht erkannt.

Wir sind gespannt, ob diese Entwicklung sich auch in personellen und strukturellen Veränderungen der neuen Bundesregierung widerspiegelt ....? Wirtschaftlich spürbare Konsequenzen wird das Festhalten am Altbewährten sicher für Geschäftsmodelle wie dem Hamburger Abendblatt haben. Denn statt ihre Leser:innen mitzunehmen auf die Reise in eine neue Welt, Selbstständigen bis hin zu Unternehmern aufzuzeigen, wie sie durch welche Technologien Geld einsparen, wie sie Wegbegleiter für eine Neuausrichtung finden, neue Geschäftsmodelle entwickeln und eine schnelle Refinanzierung verlorener Umsätze generieren könnten, druckt man besser Hunde-Stories über zwei Seiten oder begleitet auf einer ganzen Seite einen Bademeister beim Beckenreinigen ... Ist man so nicht auf dem besten Wege sich selbst überflüssig zu machen ...?

Pressekontakt
Peter Becker
Eckerkamp 139b
22391 Hamburg
Tel. +49-40-53 930 460
press(at)pre-view-online.com



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Hamburgs Erster Bürgermeister und die Chefs von Siemens und DB bei der Premierenfahrt mit Hamburgs erster autonom fahrenden S-Bahn
Quelle: DB
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Autonom fahrende Züge in der Haltestation hinter den Glasscheiben
Quelle: MRT
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