Artikel-Filter
CeBIT
HMI
Akkreditieren Sie sich hier zu den kommenden PREVIEWs

Ist Deutschland für den digitalen Wandel gerüstet?

Digitaler Wandel vollzieht sich schnell

EFI - In ihrem zehnten Jahresgutachten, das der Bundeskanzlerin in Berlin übergeben wurde, weist Prof. Dietmar Harhoff, Direktor am Max-Plack-Institut für Innovation und Wettbewerb und Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), auf die hohe Geschwindigkeit des digitalen Wandels hin. Die dabei zentralen Technologien und Geschäftsmodelle gehörten, so Harhoff, nicht zu den Kernstärken des deutschen F&I-Systems: „Gerade für Deutschland stellt die digitale Transformation eine radikale Innovation dar, die langfristig erarbeitete deutsche Wettbewerbs- und Spezialisierungsvorteile bedroht“.

Aus Sicht der EFI hat die deutsche F&I-Politik die diesem Wandel zugrunde liegende technische und ökonomische Dynamik bisher zu wenig beachtet. Dies spiegele sich auch in einer Unterfinanzierung der FuE-Förderung der Informations- und Kommunikationstechnologien in Deutschland wider. Die Experten fordern: „Deutschland muss in den kommenden Jahren neue technische und ökonomische Stärken aufbauen. Dazu bedarf es konsequenter und zügiger Politikmaßnahmen. Mit deren Umsetzung sollte in der neuen Legislaturperiode unmittelbar begonnen werden.“

Die bisherigen Maßnahmen zum Ausbau der digitalen Infrastruktur sind zudem nicht nachhaltig angelegt, so die EFI. „Deutschland benötigt einen ambitionierten Ausbau der Infrastruktur, der sich nicht an Durchschnittswerten der OECD orientiert, sondern hinsichtlich Leistungs- und Ausbaufähigkeit führend ist“, fordert Prof. Harhoff. Die Ausbauziele müssten außerdem an die jeweiligen technischen Standards dynamisch angepasst werden: „50 Mbit pro Sekunde sind beim Internet schon heute zu wenig.“

Im Unternehmenssektor drohe derzeit eine digitale Spaltung. „Nicht alle kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) scheinen die Bedeutung der anstehenden Veränderungen wahrzunehmen. Zudem behindern Finanzierungsbeschränkungen kleinere Unternehmen darin, notwendige Veränderungen konsequent anzugehen“, hebt Prof. Monika Schnitzer von der Universität München und stellvertretende Vorsitzende der EFI hervor. Gerade KMU sollten in den Fokus der Maßnahmen rücken, die über digitale Technologien und Geschäftsmodelle aufklären und deren Einführung erleichtern. Die EFI fordert die Einrichtung eines Programms „KMU Digital“, in dem ausschließlich KMU für die Planung und Umsetzung von Digitalisierungsprojekten staatliche Unterstützung erhalten können.

Die Bevölkerung in Deutschland sei zudem im Umgang mit digitalen Technologien und Daten weniger erfahren als die in anderen Ländern. Wichtig erscheint vor diesem Hintergrund eine breit angelegte Förderung von Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien und Modellen – in allen Ausbildungs- und Weiterbildungssegmenten. Im Bereich der digitalen Bildung sei eine PISA (Programm zur internationalen Schülerbewertung) entsprechende Datenbasis erforderlich. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) vorgeschlagene Offensive für die digitale Wissensgesellschaft weise bereits in die richtige Richtung. Prof. Harhoff weiter: „Informatik ist als neue Schlüsseldisziplin zu begreifen und stärker als bisher in die Lehrpläne anderer Ausbildungsgänge einzubeziehen.“ Studierende sollten – in allen Fächern – Kenntnisse in Informatik erwerben können.

„Start-ups tragen in besonderer Weise zur Bewältigung des digitalen Wandels bei, aber ihre Belange werden in der Förderung von Forschung und Entwicklung bisher nicht ausreichend berücksichtigt“, so Prof. Schnitzer. Die EFI schlägt daher vor, das EXIST-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) für Unternehmensgründungen um eine weitere Forschungskomponente zu ergänzen. Schnitzer: „Sie sollte den Geförderten die Möglichkeit geben, für kurzfristig anfallende Forschungsaufgaben beim Aufbau ihrer Unternehmen entsprechendes Personal zu finanzieren.“

Deutschland hat laut EFI zudem bei der digitalen Abwicklung von Regierungs- und Verwaltungsprozessen (E-Government) nach wie vor Nachholbedarf. Das zeige sich sowohl in einem begrenzten und wenig nutzerfreundlichen Angebot digitalisierter öffentlicher Dienstleistungen als auch darin, dass die Datenbestände der öffentlichen Hand noch nicht standardmäßig über gut strukturierte Zugänge bereitgestellt würden. Die Expertenkommission wertet es jedoch als sehr positiv, so Prof. Christoph Böhringer von der Universität Oldenburg und Mitglied der EFI, „dass in den letzten Monaten wichtige gesetzgeberische Rahmenbedingungen für den Aufbau und Betrieb von leistungsfähigen zentralen Portalen für E-Government und öffentliche Datenbestände – vom Bund über Länder bis zu den Kommunen – geschaffen wurden. Der Bund sollte in der neuen Legislaturperiode seine erweiterten Kompetenzen engagiert nutzen, um die Qualität von Dienstleistungen der Behörden für die Bürger deutlich zu verbessern und bedeutende Wertschöpfungspotenziale zu erschließen“, fordert er.

Internet und internetbasierte Technologien erforderten zugleich neue bzw. angepasste rechtliche Rahmenbindungen, u.a. im Urheberrecht, im Datenschutz und im Verbraucherschutz. Die Anpassung des rechtlichen Rahmens sollte nach Möglichkeit auf europäischer Ebene erfolgen, um den Binnenmarkt zu stärken. Dabei dürfe die Gesetzgebung nicht darauf ausgerichtet sein, so die EFI, „Schutzzäune um etablierte Wirtschaftsbereiche“ zu errichten – diese gefährdeten auf Dauer die Wettbewerbsfähigkeit Europas als Standort für die digitale Wirtschaft. Prof. Harhoff: „Vielmehr müssen die Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass neue Modelle der digitalen Wirtschaft in Deutschland und Europa in sinnvoller Weise und zügig eingeführt werden können.“

Die EFI befürwortet als Politikberater der Bundesregierung auch eine stärkere Bündelung der bisher fragmentierten und zum Teil gegenläufigen Aktivitäten der mit der Digitalen Agenda beauftragten Regierungsressorts. Vor allem müsse es in der nächsten Legislaturperiode gelingen, schnell weitere Maßnahmen zur Stärkung der digitalen Infrastruktur sowie von Forschung und Innovation vor allem bei KMU in die Tat umzusetzen. „Mögliche Lösungen wären eine bereits im Bundestag diskutierte Innovationsagentur, eine Koordinationsstelle im Bundeskanzleramt oder die Bildung eines Digitalministeriums mit weitreichenden Zuständigkeit für Infrastruktur, Innovationsförderung, E-Government und digitaler Beschaffung der öffentlichen Hand. Aus Sicht der Expertenkommission bedarf es dringend einer politischen Entscheidung, die eine effektive Bündelung von Kompetenzen erreicht, ohne erneut hohe Komplexität zu schaffen“, meint Prof. Harhoff abschließend.

Das Gutachten und eine deutsche sowie eine englischsprachige Kurzfassung stehen zum Download bereit unter:

www.e-fi.de/gutachten.html

PREVIEW onlinePressekontakt
Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)
EFI-Geschäftsstelle
Dr. Helge Dauchert
e-mail: helge.dauchert@e-fi.de
Tel: 030 / 322 982 562

Google+ Facebook Twitter XING Pinterest Blogger LinkedIn Bit.ly Delicious Email Print Addthis


Download

Bundeskanzlerin Angela Merkel erhält von Dietmar Harhoff das Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) 2017.
Quelle: Bundesregierung/Bergmann
ANZEIGE
ANZEIGE


WannaCry: Übt Nordkorea den Cyber-War

Der nächste Angriff kommt bestimmt
- Hunderttausende Computer in mehr als 150 Ländern wurden gehackt. Ist die weltweit größte Cyber-Attacke nur ein Warmklicken? Ziehen Nordkoreas Hacker und IT-Profis schon mal ins Manöver und üben für den ...



Innovationen gesucht

Finalisten für den Usability-Award
- PREVIEW online - Pflanzen schneller verstehen, besser Golf spielen, einfacher die Umwelt erforschen, das Smartphone sicherer nutzen? Das ermöglichen die vier anwendungsorientierten IT-Konzepte, die ins ...



Umhüllenden Klang im Wohnzimmer

Fraunhofer IIS bringt mit MPEG-H--3D-Soundbar
Fraunhofer IIS - Der Hauptentwickler der mp3- und AAC-Audiocodecs nutzt das DSP + ARM System on Chip (SoC) von Texas Instruments (TI), um das Hörerlebnis von Soundbar-Nutzern auf ein neues Niveau zu ...



Roboter als Haus-Manager

Neuer ECOVACS Roboter auf der CES
ECOVACS ROBOTICS - Den ersten multifunktionalen Home-Management Roboter (UNIBOT), präsentiert ECOVACS, die am schnellsten wachsende Marke für Haushaltsrobotik, auf der CES in Las Vegas. Das Gerät reinigt ...



Edel & perfekt - TP-Links neues Flaggschiff

Neffos X1 lehrt der Konkurrenz das Fürchten
PREVIEW online - Abseits der IFA präsentierte TP-LINK seine neuen Flaggschiffe der Neffos-Serie. Statt einer biederen Messehalle wählte der 1996 gegründete, weltweit führende Hersteller von ...



Osram macht BMW Motorsport Team fit für Rennen

Biologisch wirksames Licht beim 24-Stunden-Rennen
Osram - BMW Motorsport setzt beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring auf biologisch wirksames Licht von Osram. Als neuer Official Partner von BMW Motorsport liefert Osram für das Rennen am 27. und 28. Mai ...



Telekom digitalisiert den Mittelstand

Passgenaue Lösung mit dem Digitalisierungs-Konfigurator
PREVIEW online - Mit einer breit angelegten PR-Kampagne unter dem Motto „Digitalisierung. Einfach. Machen.“ will die Deutsche Telekom den Mittelstand derzeit in Sachen Digitalisierung nicht nur wachrütteln und die ...



Neue 3D-Kamera revolutioniert Einzelhandel

Forscher stellen Prototyp auf Messe „Sensor+Test“ vor
TU Chemnitz - Forscher der Professur Digital- und Schaltungstechnik der Technischen Universität Chemnitz entwickelten eine neue 3D-Kamera mit einem extrem weite Sichtbereich, welcher mit konventioneller 3D-Technik ...



Rechenleistungen verdoppelt

IBM testet leistungsstärksten Quantenprozessor
PREVIEW online - Da immer größere Datenberge zu durchforsten und zu analysieren sind, ist die Geschwindigkeit der Prozessoren der Flaschenhals. Je mehr Rechenoperationen pro Sekunden die Chips schaffen, desto besser. IBM ...



BenQ PD2710QC - für Profi-Designer entwickelt

Monitor mit USB-C Docking Station für hohe Flexibilität
BenQ - Der LED-Experte BenQ erweitert seine Displayreihe „Monitore für Designer“ um das 27 Zoll / 68,6 cm Modell PD2710QC. Ein besonderes Highlight des in Schwarz/Silber gehaltenen Displays stellt die ...



ANZEIGE
Presse-Mitteilungen   RSS-Feed
ANZEIGE
About
PREVIEW online ist ein multimediales News-Portal für technisch Interessierte.
Ohne langes Suchen und Site-hopping finden Sie hier gewünschte Informationen. Mit einem Blick sehen Sie auf PREVIEW online sofort, welche Medien zu den jeweiligen Themen vorhanden sind. Eine optimale Kombination aus Kategorien, Schlagwort- und Volltextsuche erleichtert Ihnen das Finden gewünschter Informationen erheblich. Wenn Sie Wichtiges über Themen, Unternehmen, News, die Sie interessieren, nicht verpassen möchten, abonnieren Sie sich unseren NEWS-Allert.
Alle Infos sind nur 1 Klick entfernt - das ist PREVIEW online.
IMPRESSUM / Kontakt